JOHANNES
*2.05.1995* † 19.03.2000



JOHANNES *2.05.1995* † 19.03.2000

Nie wieder



Nie wieder Sommersprossen im April
Nie mehr laute Fröhlichkeit - alles ist still.
Nie wieder Haare wie ein reifes Weizenfeld
Du fehlst mir so auf dieser Welt.
Nie wieder Deine Augen sehen, braun und riesengroß
Nie wieder ein Kind auf meinem Schoß.
Nie wieder einen Mund, der so selten schweigt
Nie mehr eine kleine Hand, die mir eine Schnecke zeigt.
Nie wieder lauschen Deine kleinen Ohren
Ich Hab ein Stück von mir verloren.
Nie mehr ein Kind, das ich gerade geweckt,
Nie einen kleinen Bauch, der sich mir entgegenstreckt.
" Riechst du nach Seife, kleiner Bauch? "
Ja, mein Sohn, die " Schnupperbrobe " fehlt mir auch.
Nie mehr die kleinen Füße, die in Pfützen springen
Und Schlaflieder Brauch ich auch nie mehr zu singen.
Nie wieder backe ich dir deine Geburtstagstorte
Nie wieder flüstere ich liebe Worte.
Nie mehr mit dir um die wette laufen.
Nie wieder kitzeln, toben und raufen.
Nie wieder Protest gegen kratzige Socken
Auch nicht gegen den Kamm in den blonden Locken.
Nie wieder eine kleine Hand in meiner Hand
Nie mehr Muscheln suchen am Strand.
Nie wieder Grasflecken in Deinen Sachen
Nie mehr höre ich Dein fröhliches Lachen.
Nie mehr Sterne betrachten bei Nacht
Nie mehr eine " Hast du mir was mitgebracht?" "
Nie wieder ein Kind auf den Hüften tragen
Nie mehr stellst du neugierig Deine Fragen.
Nie wieder radeln wir durch den Wald
Die Welt ist leer geworden und kalt.
Nie wieder in den Wolken Tiere sehen
Nie mehr Deine Gedanken verstehen.
Kein Staunen mehr über soviel Fantasie
Mir fehlt Deine Lebensphilosophie.
Nie wieder wünschen, planen und hoffen
Deine Zukunft ist nicht mehr offen.
Nie mehr die Sonne genießen und den Schnee
Dieses " nie wieder ", das tut so weh.
Ich wünsch dir Frieden, Freude und Glück und wollte dich so gerne Großwerden sehen.
Warum dreht den keiner die Zeit zurück?
Ich kann diesen sinnlosen Tod nicht verstehen!
Alles, was ich von dir Hab, ist die Erinnerung und - ein Grab, und die Hoffnung, das es
Dich irgendwo gibt, weil nichts wirklich verloren ist, was man liebt.

Mama und Papa


Viele Leute beginnen wieder gewahr zu werden,
daß der physische Körper
nur das Haus, den Tempel oder - wie wir gerne sagen -
den Kokon darstellt,
den wir nur für eine bestimmte Zeit bewohnen,
bis wir uns jener Umwandlung übergeben,
die man als Tod bezeichnet.
Und sobald jener Tod eingetreten ist,
entschlüpfen wir dem Kokon
und bewegen uns frei wie ein Schmetterling.

Elisabeth Kübler Ross

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